Der komplexe Weg in die Selbständigkeit: Was erwartet mich und sollte ich ihn begehen?

Selbständig arbeiten, ohne Zwang einem Arbeitgeber zu unterstehen, dafür in die eigene Tasche wirtschaften: das scheint besonders für viele Arbeitnehmer attraktiv. Wer sich selbstständig machen möchte, hat aber einiges zu beachten. Denn hinter einer Selbstständigkeit steckt mehr als nur ein Chef-Titel oder das zeitunabhängige Arbeiten in Cafés.

Alles beginnt mit einer Idee oder speziellem Können

Unterschieden wird zwischen einer Selbstständigkeit samt Unternehmensgründung und der Tätigkeit als Freiberufler. Beide Gruppen schreiben ihre Rechnungen eigenmächtig, unterstehen aber separaten Regelungen. Wer ein Unternehmen gründet, führt automatisch ein Gewerbe – inklusive notwendiger Gewerbeanmeldung. Freiberufler haben unterschiedliche Auftraggeber und unterstehen je nach Berufsgruppe nicht zwangsläufig einer Gewerbeanmeldung. Ohne arbeiten zum Beispiel Journalisten, Ärzte oder Ingenieure und Steuerberater.

Eine Schlüsselrolle nimmt das eigene Können ein. Dieses kann sich in Form einer Idee niederschlagen oder aber aus einem Talent wachsen, was sich in der freien Wirtschaft erfolgreich monetisieren lässt. Letztlich gilt eine einfache Regel: es muss mehr Geld erwirtschaftet als ausgegeben werden. Deshalb müssen angehende Selbstständige vorab den Markt sondieren und feststellen, ob es für die eigene Idee oder das Können überhaupt eine Nachfrage gibt. Wer das ignoriert, macht sich unter Umständen selbstständig und bemerkt dann, dass weder Absatz noch Kundenaufträge erzielt werden.

Finanzierung, Versicherungen und Steuern

Alle drei Aspekte sind eng mit einer Selbständigkeit verwoben, unterscheiden sich aber je nach Rechtsform und Art der Selbständigkeit. Während Freiberufler lediglich Einkommenssteuer und Umsatz- beziehungsweise Vorsteuer zahlen, unterliegen Gewerbetreibende der Gewerbesteuer. Körperschaftssteuer fällt indes für Kapitalgesellschaften an. Wer sich selbständig machen möchte, muss also zuvor kalkulieren, ob sich davon tatsächlich leben lässt. Zwar entfallen beispielsweise Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, außer in diese wird auf freiwilliger Basis eingetreten, dafür ist die Steuerlast insgesamt höher.

Gleichermaßen müssen sich Gründer um eine Finanzierung Gedanken machen. Freiberufler können unter Umständen auf diese verzichten, sofern mit der selbständigen Tätigkeit kein hoher Kapitalaufwand notwendig ist. Vor allem solche, die aus dem Home-Office arbeiten, sind auf Fremdkapital oftmals gar nicht angewiesen. Gewerbetreibende oder gar Kapitalgesellschaften werden ohne Fremdkapital kaum über die Runden kommen, insbesondere wenn produziert wird und Angestellte erforderlich sind. Vor der Selbständigkeit sollte daher überlegt werden, wie hoch der Kapitalbedarf mindestens für die ersten zwölf Monate, aber auch die nachfolgenden Jahre in der Gründungsphase ist.

Die Auswahl der Versicherungen ist erneut auf das Tätigkeitsfeld hin anzupassen. Betriebshaftpflicht- und Berufshaftpflichtversicherung sind erforderlich, wenn Mitarbeiter beschäftigt werden. Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung kann ebenso Sinn machen. Dazu kommen diverse Versicherungen, wenn aus separaten Büroräumen oder gar eigenen gewerblichen Immobilien gearbeitet wird. Der Gründer selbst muss in jedem Fall eine private Krankenversicherung abschließen, da diese in Deutschland zu den Pflichtversicherungen zählt. Alternativ kann in die gesetzliche Krankenversicherung eingetreten werden, die aber oftmals bei weniger Leistungen mehr kostet – da die PKV fix und die GKV prozentual am Einkommen Beträge erhebt.

Wichtige Anmeldungen sind auch für Gründer erforderlich

An Bürokratie mangelt es in Deutschland bekanntlich nicht. Wer mit dem Gedanken spielt sich selbständig zu machen, muss daher unbedingt rechtzeitig alle Anmeldungen bei den jeweiligen öffentlichen Institutionen abwickeln. Dazu zählen:

– das Finanzamt zur steuerlichen Erfassung, auch zur Abrechnung von Umsatz- und Vorsteuer
– gegebenenfalls beim Gewerbeamt
– gegebenenfalls bei der Berufsgenossenschaft
– beim statistischen Bundesamt, um die Berichtspflicht zu erfüllen.
– bei IHK und HWK
– für Unternehmen mit Mitarbeitern: bei der Bundesagentur für Arbeit

Wann wo welche Anmeldung notwendig ist, gilt es je nach Berufsstand und Rechtsform in Erfahrung zu bringen.

Mental auf der Höhe: kann ich tatsächlich dem Druck standhalten?

Arbeitnehmer unterschätzen häufig den Druck, den eine Selbständigkeit zwangsläufig mit sich bringt. Fortan werden keine Krankheitstage mehr gezahlt, auch bezahlten Urlaub gibt es nicht mehr. Ein sicheres Gehalt gehört der Vergangenheit an, zudem vermehrt sich der steuerliche Aufwand erheblich. Phasen, in denen es nicht so gut läuft, gehören weggesteckt. Zugleich muss man sich fortan nicht mehr nur um die eigene Tätigkeit als Arbeitnehmer beim Arbeitgeber, sondern um alle weiteren Tätigkeitsfelder sorgen: vom Marketing bis hin zur Akquise.

Wer sich selbstständig machen möchte, muss sich der Verantwortung und dem Druck, der damit einhergeht, vorab bewusst sein. Die finanzielle Sicherheit, die ein fester Arbeitsplatz mit Kündigungsfristen und Co. liefert, wird zu Gunsten der Selbstständigkeit aufgegeben. Ist man dazu gewillt, hat sich rechtlich informiert, bringt eine gute Idee oder ein wirtschaftlich lukratives Talent und Können mit, kann die Selbständigkeit aber neuen finanziellen Freiraum und weitere berufliche Erfolge mit sich bringen.

 

       

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MeinRatschlag
Geschrieben von MeinRatschlag am 15. Juli 2019